Der Zeitzeuge Leon Weintraub sitzt auf einem Stuhl in der Mitte des Bildes. Er ist umringt von Familienmitgliedern. Alle Personen schauen freundlich in die Kamera.

Online „Zweitzeug*in“ werden

Geschichten von Zeitzeug*innen des Holocausts werden in Videokonferenzen weitererzählt

Der Verein Heimatsucher, Mitgliedsorganisation im Paritätischen NRW, hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Schulen und Ausstellungen die Geschichten von Zeitzeug*innen des Holocausts weiterzuerzählen. Das muss derzeit aufgrund der Corona-Pandemie ausfallen. Trotzdem will der Verein weiterhin möglichst viele Menschen zu sogenannten „Zweitzeug*innen“ der Schoah-Überlebenden machen und bietet deshalb ab sofort Online-Vorträge an.

Erste Videokonferenz am 16. April 2020

Los geht es am 16. April 2020 (19.00 Uhr bis 20.15 Uhr). Dann erzählt Xenia, die „Zweitzeug*in“ des Holocaust-Überlenden Gerhard Baader, in einer Videokonferenz dessen Geschichte. Für die Teilnahme ist eine Anmeldung erforderlich. Etwa zwei Stunden vor Beginn des Vortrags, erhalten Angemeldete dann einen Link zur Teilnahme an der Videokonferenz. Am 30. April 2020 gibt es einen Vortrag. Dann geht es um die Geschichte von Henny Brenner. Darüber hinaus stellt der Verein auf seiner Facebook-Seite regelmäßig Zeitzeug*innen vor. Außerdem ruft der Verein dazu auf, den Zeitzeug*innen Briefe zu schreiben. Das machen normalerweise die Schüler*innen, die am „Zweitzeug*innen“-Projekt teilnehmen. In Zeiten der physischen Distanz, in denen viele Menschen, auch die Zeitzeug*innen, oftmals alleine Zuhause sein müssen, möchten der Verein Heimatsucher den Überlebenden zeigen, dass er seinen Auftrag nicht vergisst und die Menschen weiterhin ihre Geschichten hören und an sie denken.

Über das „Zweitzeug*innen“-Projekt

Der Verein Heimatsucher interviewt Zeitzeug*innen des Holocausts, dokumentiert ihre Geschichten und erzählt sie dann in Schulklassen und Ausstellungen weiter. Vor allem für junge Menschen ist das wichtig. Sie verstehen die Bedeutung der Geschichte für ihr eigenes Leben oft erst durch die Begegnung mit Zeitzeug*innen. Doch Zeitzeug*innen werden nicht mehr lange sprechen können. Damit sie zukünftig nicht verstummen, erzählen die „Zweitzeug*innen“ ihre Geschichten über das Leben vor, während und nach dem Holocaust weiter. Über die persönlichen Erzählungen von Schoah-Überlebenden macht das Projekt Geschichte nachfühlbar und begreifbarer.

 


Bild: © Heimatsucher e. V.